Gottfried Gerstbachs Himmelsvorschau Jänner 2023

Gottfried Gerstbachs Himmelsvorschau Jänner 2023

Beitragvon Laadoc » Do 5. Jan 2023, 12:39

Liebe Mitglieder des Österreichischen Astronomischen Vereins, liebe Sternfreundinnen und -freunde!

Wir wünschen allen ein Gutes Neues Jahr!
Leider war uns das Dezemberwetter nicht sehr gewogen. Recht stimmig und gut besucht war aber der 18.12. zur Winter-Sonnenwende und das Gedenken an Walter Hofmann. Danach hat die Arbeitsgruppe Sterngarten im Ghf Schießstätte die anstehende Renovierung des Sterngartens besprochen.

Unsere nächsten Termine: (Anmeldung bitte bei Veranstaltungen)
• Mi 18.1., 18h: Astro-Stammtisch (12, Café Raimann) und Impulsreferat Franz Vrabec "Astronomie & Zeit“ – vor allem für Einsteiger in die Himmelskunde
• Fr 20.1., 12:30-14h: sechs astronomische Kurzvorträge von Sonnensystem bis Kosmologie und Raumfahrt. TU-Freihaus (Wiedner Hptstr. 8), Seminarraum grün 2B – viel Information in kurzer Zeit (12 Plätze)
• Mo 23.1., 17h Planetarium: Astro-Basics 7 (Himmelskoordinaten, Ekliptik, Planetenbahnen) und neue Animationen des Planetarium-Teams
• Fr 27.1., 19h Walfischg.12, Prof. Gerhard Hensler, Univ.Wien: Von Zwergen und Satelliten – die Faszination der leichten Galaxien
• Sa 28.1., 17:30 Sterngarten: Planetenreihe am Winterhimmel – die Ekliptik in Reinkultur, mit Georg Zotti
• Sa 04.2., 17:30 Dachsternwarte Gerstbach (13, Laverang.40): Vier Planeten und Jupitermonde im Blickfeld mehrerer Teleskope (10 Plätze)
• Do 9.2., 19h Online-Vortrag Oliver Czoske, Univ.Wien: Das Extremely Large Telescope ELT in Chile (40m, in Bau)

Zwei astronomische Gedenktage

Am 9.1. ist der 175. Todestag von Caroline Herschel (1750-1848).
Die Schwester Wilhelm Herschels (1739–1822) war die erste Frau, die in der Astronomie volle Anerkennung fand. Statt als Musikerin und Sängerin in Hannover zu bleiben, folgte sie ihrem Bruder Wilhelm (1739–1822) nach England. Sie assistierte bei seinen Beobachtungen und baute mit ihm Teleskope. Als Wilhelm 1781 nach der Uranus-Entdeckung Hofastronom wurde, erhielt auch sie ein festes Gehalt von jährlich 50 Pfund für ihre Tätigkeit und war damit die erste Berufsastronomin der Welt.
Zwischen 1786 und 1797 entdeckt sie acht Kometen. Neben der Entdeckung von vierzehn Nebeln verfasste sie einen Katalog für Sternhaufen und Nebelflecke. Als erste Frau erhielt sie 1828 die goldene Medaille der Royal Astronomical Society, wurde 1835 deren Ehrenmitglied und 1846 der preußischen Akademie der Wissenschaften.

Am 20.1. ist der 450. Geburtstag von Simon Marius (1573-1624). Der Ansbacher Hofastronom war ein Wegbereiter des heliozentrischen Weltbildes. Als einer der ersten Fernrohr-Beobachter entdeckte er den Andromedanebel und (unabhängig von Galilei) die Jupitermonde. Unser Vortrag vom 10.9.21 ist hier auf YouTube verfügbar.

Astronomische Übersicht

Der frühe Abendhimmel wird von Südost bis Südwest durch drei helle Planeten verziert: Anfangs Mars-Jupiter-Saturn, gegen Monatsende Mars-Jupiter-Venus und der zunehmende Mond (siehe beiliegendes Stellarium-Bild für 28.Jänner).
Am Morgenhimmel wird der Komet C/2022 E3 „ZTF“ zum Feldstecher-Objekt und steht zu Monatsende nahe beim Polarstern.

Im Westen sieht man bis etwa 18h noch das ganze Sommerdreieck, während im Osten schon das Wintersechseck emporgestiegen ist. Im Süden stehen Widder und Walfisch, in Zenitnähe Kassiopeia, Andromeda und Perseus.
Von den Quadrantiden (Maximum am 3.1.) sind bis 6. Jänner noch einige Dutzend Meteore pro Stunde zu erwarten.

Sonnenbahn und Dämmerung

Zum Jahresbeginn ein netter Spruch aus dem Traunviertel, den meine Edith als Kind gelernt hat: Der Tag verlängert sich
• zu Weihnacht um an Mückenschritt – zu Neujahr um an Hahnentritt,
• Dreikönig um an Hirschensprung – zu Lichtmess um a ganze Stund.
Warum ist eigentlich der späteste Sonnenaufgang nicht zur Sonnenwende, sondern erst am 1. Jänner? Wegen der geheimnisvollen Zeitgleichung mit ihren zwei Ursachen (Ellipsenbahn der Erde und Schiefe der Ekliptik). Der Unterschied ist freilich nur 3 Minuten.

Im Jänner verlängert sich der helle Tag von 8,4 auf 9,4 Stunden. Die Sonnenwende war am 21.12. um 17 Uhr.

Der Sonnenaufgang in Wien (Urania-Sternwarte) verschiebt sich von 7:45 auf 7:25, der Sonnenuntergang von 16:11 auf 16:52 Uhr. Im Westen Österreichs sind die Auf- und Untergänge je nach geografischer Länge später, in Innsbruck z.B. um 20 Minuten

Völlig dunkel ist es bereits gegen 18:20, die tiefe Nacht währt knapp 13 Stunden. Die bürgerliche Dämmerung (Sonnentiefe 6°, Lesen im Freien möglich) dauert 35 Minuten, die nautische (-12°, am Meer sind Horizont und helle Sterne sichtbar) weitere 38 Minuten. In der anschließenden astronomischen Dämmerung (Sonne -12 bis -18°) wird der Himmel völlig dunkel, in Stadtnähe allerdings kaum mehr.

Der Abendhimmel im Jänner
Sternkarten für jede Stunde finden Sie in unserer Homepage https://www1.astroverein.at/beobachten, z.B. für 3 Uhr Sternzeit hier.
Gegen 17:30 Uhr (nautische Dämmerung) steigen im Osten bereits große Teile des Wintersechsecks empor: die helle Capella im Fuhrmann und der rote Aldebaran im Stier, unter ihm der Oberteil des Orion, weiter links die Zwillinge. Deren Hauptsterne Castor/Pollux und der Oriongürtel stehen beim Aufgang senkrecht – beim Untergang in Frühjahr hingegen waagrecht.
Das Sternbild Stier wird heuer durch den roten Planeten Mars bereichert, der bis Februar wesentlich heller als der rote Hauptstern Aldebaran
leuchtet. Dieser mit 65 Lichtjahren relativ nahe rote Riese hat eine große Eigenbewegung von 0,1° pro Jahrhundert. Er ist 35x größer als die Sonne, aber nur halb so heiß. Er steht weit vor dem Sternhaufen der Hyaden, die als V rechts von ihm den Stierkopf bilden. Das Sternwölkchen oberhalb sind die Plejaden (Siebengestirn), von dem ein durchschnittliches Auge 5-6 Sterne erkennt. Die langen Hörner des Stiers zeigen nach links, Capella darüber (α im Fuhrmann) ist der fünfthellste Stern am Himmel und ein spektroskopischer Doppelstern mit 2,5 und 2,8 Sonnenmassen. Das enge Paar umkreist sich in nur 104 Tagen und ist zusammen 30x heller als unsere Sonne.

Im Westen ist noch das große Sommerdreieck Schwan-Leier-Adler zu sehen. Rechts der hellen Wega (α Lyrae) glühen die Augen des Drachen, dessen Z-förmiger Körper sich zum tief im Norden stehenden Großen Wagen windet.
Hoch im Süden stehen Andromeda und Pegasus (Herbstviereck), und fast im Zenit die Andromeda-Galaxie M31. Sie ist bei dunklem Himmel mit freiem Auge sichtbar. Ihr elliptischer Kern ist so hell, dass man ihn im Feldstecher auch in der Stadt erkennen kann. Wenn nicht, schreiben Sie Ihrem Bürgermeister oder dem Magistrat, dass die Straßenbeleuchtung spätestens um 22h gedämpft wird!

Unter Andromeda und Pegasus stehen die schwachen Sternbilder Fische und Cetus (Wal). Im SSW in 10° Höhe funkelt Fomalhaut, der hellste Stern im südlichen Fisch. Großteleskope konnten einen Staubring und einen jupitergroßen Exoplaneten nachweisen. Im Zenit leuchtet das W der Cassiopeia. 15° tiefer (östlich), auf halbem Weg zur Sternenkette im Perseus, erkennen gute Augen ein Nebelfleckchen – den Doppelsternhaufen h/Chi. Im Fernglas sind 10-20 Sterne zu erkennen, im Teleskop mehrere hundert.

Um 20 Uhr steht Capella bereits 70° hoch im Osten, darunter die Zwillinge Castor & Pollux. Durch beide Sternbilder steigt steil die Milchstraße empor, genau durch den Zenit (Perseus) und weiter zur Cassiopeia und zum Schwan im Nordwesten. Stadtbewohner sehen die Milchstraße fast nie, aber nur 10 km westlich von Wien – unserm Beobachtungsplatz über Tullnerbach – lässt sich das leicht nachholen.
Im Südosten ist nun der himmlische Jäger Orion hochgestiegen. Unter den drei Sternen seines Gürtels ist freiäugig der Orionnebel M42 als diffuser Fleck zu erkennen, ein riesiges Sternentstehungsgebiet in 1600 Lichtjahren Distanz. Langzeitaufnahmen zeigen rund um das Sternbild viele rötlich leuchtende Wasserstoffwolken, in denen jedes Jahr 1-2 neue Sterne entstehen.
Der Oriongürtel zeigt nach links zum horizontnah funkelnden Sirius, dem scheinbar hellsten Stern des Himmels. Er ist mit 8,6 Lichtjahren der achtnächste Stern. Zwar nur 2x größer als unsere Sonne, hat er aber wegen seiner 11.000° heißen Photosphäre die 22-fache Leuchtkraft.

Gegen 21 Uhr kulminieren die zwei bekannten Sternhaufen im Stier: die Hyaden als liegendes V beim roten Aldebaran, und rechts oberhalb die Plejaden mit ihren 5-6 dicht gedrängten Sternen. Ein scharfes Auge kann sogar 8-10 Sterne erkennen, insgesamt sind es 500.
Inzwischen steigt im Nordosten der Große Wagen empor. Seine oberen Kastensterne zeigen nach links zum Polarstern, seine unteren nach rechts zum aufgehenden Löwen. Im Südosten strahlt Sirius, der hellste Stern am Himmel, in der Verlängerung des Oriongürtels. Er ist 2x größer als unsere Sonne und 8 Lichtjahre entfernt. Manchmal funkelt er in allen Farben, weil die Luft die Bestandteile seines weißen Lichts unterschiedlich bricht. Sein kleiner Begleiter Sirius B war der erste, 1862 entdeckte weiße Zwerg. Bessel hatte ihn schon 1844 vermutet, weil er an Sirius winzige Positionsschwankungen feststellte.

Planeten und Mond (Daten siehe Österr. Astronomischer Almanach 2023)
• Merkur ist mit dem Fernglas ab 15.1. für etwa 3 Wochen in der Morgendämmerung zu sehen und geht am 25.1. sogar 90 Minuten vor der Sonne auf. Am 20. zieht die Mondsichel 7° südlich vorbei.
• Venus wird allmählich als Abendstern bemerkbar und geht zu Monatsende 2 Stunden nach der Sonne unter. Am 23. ist eine reizvolle Konjunktion mit Saturn und dem jungen Mond.
• Mars im Stier ist abends neben Jupiter das auffälligste Gestirn. Am 12. beendet es seine Oppositionsschleife und wandert links der Plejaden wieder östlich. Zur Monatsmitte geht er für Wien um 20:40 unter, sein auf 13“ geschrumpftes Scheibchen lässt im Teleskop gerade noch einige Details erkennen.
• Jupiter in den Fischen strahlt nach Beginn der Dunkelheit unübersehbar im Westen und verschiebt seine Untergänge von 23:20 auf 21:45 Uhr. Am 25.1. zieht der Mond 2° südlich vorbei. Nun wird allmählich die horizontnahe Venus auffälliger als der Riesenplanet.
o Die 4 hellen Monde zeigen noch 8 Durchgänge vor dem Planeten und 6 Verfinsterungen in seinem Schatten.
• Saturn im Steinbock verschwindet bis Monatsmitte in der Abenddämmerung. Am 23. gegen 17:15 ist im Fernglas knapp über dem Südwesthorizont eine reizvolle Konjunktion mit Venus und der Mondsichel zu beobachten.
• Uranus im Widder ist schon im kleinen Fernrohr an seiner grünlichen Farbe erkennbar, ab 50-fach auch sein Scheibchen von 3,5“.
• Neptun im Wassermann verschwindet gegen Monatsende in der Abenddämmerung.
• Die Kleinplaneten Ceres (Jungfrau) und Pallas (Gr.Hund) haben beide 7.7 mag und können nach Mitternacht beobachtet werden.
Mondphasen:
Vollmond am Sa 7.1., Letztes Viertel Sa 14.1., Neumond (Nr. 1238) Sa 21.1., bestes Erdlicht 23.-24.1., Erstes Viertel Sa 28.1.
Konjunktionen (aus dem "Himmelsjahr")
• 01.1., 23h: Mond 0,6° nördlich von Uranus (in Nordamerika Bedeckung)
• 03.1., 21h: Mond 0,5° südlich von Mars
• 04.1., 17h: Erde in Sonnennähe (147,10 Mill. km)
• 07.1., 14h: Merkur in unterer Konjunktion
• 20.1., 09h: Mond 7° südlich von Merkur
• 22.1., 21h: Venus 0,4° südlich von Saturn
• 23.1., 09h: Mond 4,0° südlich von Saturn
• 23.1., 10h: Mond 3,7° südlich von Venus (um 17h Abstand 4,6°)
• 25.1.,07h: Mond 2,7° südlich von Neptun
• 25.1., 04h: Mond 2° südlich von Jupiter (am 25. um 21h Abstand 5,5°)
• 29.1., 05h: Mond 0,9° nördlich von Uranus
• 30.1., 07h: Merkur westliche Elongation 25°
• 31.1., 05h: Mond 0,5° südlich von Mars
Komet ZTF

Der Komet C/2022 E3 ZTF (derzeit 7 mag) wird Ende Jänner mit ca. 5 mag seine maximale Helligkeit erreichen und schon im Fernglas sichtbar. Zunächst am Morgenhimmel, passiert er zur Monatsmitte den Bootes und zieht vom 27. bis 31.1. unter dem kleinen Wagen vorbei. Bis Anfang März wird er am Abendhimmel zu beobachten sein (nach SuW 2023/1 und vanbuitenen.nl).

Der Komet wurde am 2.3.22 von der Zwicky Transient Facility entdeckt und trägt daher das Kürzel ZTF. Da war er 650 Millionen km entfernt und 17 mag „hell“. Der langperiodische Komet mit ca. 50.000 Jahren Umlaufzeit läuft mit einer Bahnneigung von 109° fast senkrecht zur Ekliptik, was seine Beobachtung erleichtert. Am 12.1, erreicht er mit 1,1 AE Abstand das Perihel und am 1.2. mit 0,28 AE (42 Mio. km) seine Erdnähe.

Schöne Messier-Objekte für Feldstecher oder Teleskop
• Im Schwan noch die Offenen Sternhaufen M39 und M29, im Pegasus der Kugelsternhaufen M15
• Andromeda/Perseus: Andromedagalaxie M31 -- hoch im Westen, daher auch in der Stadt; evtl. Dreiecksnebel M33
• nahe dem Zenit der Doppelsternhaufen h/chi Persei
• hoch im Süden die Plejaden und der Spiralnebel M74
• im Osten ab ca. 20h die offenen Sternhaufen M35 bis M38 (Fuhrmann, Zwillinge) und im Südosten der Orionnebel.
Einführende Literatur:
• Hermann Mucke: Himmelskunde im Freiluftplanetarium Wien. Um 10 € bei Führungen des Astrovereins – und als Eintrittsgeschenk
• Sven Melchert: Alles über Astronomie , um 10 € im Kosmos-Verlag 2017
• Sky & Telescope: Astronomy for Beginners bzw. die wichtigsten Grundbegriffe (engl.)
• und fürs Nachdenken 30 unglaubwürdige Fakten zum Weltall: https://www.youtube.com/watch?v=u2dTM45D83E

Mit besten Grüßen und dem Wunsch für ein gutes Jahr 2023,
Dr. Gottfried Gerstbach
Vorsitzender des ÖAV
Laadoc
 
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