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Gottfried Gerstbachs Himmelsvorschau März 2022

BeitragVerfasst: Mo 7. Mär 2022, 18:37
von Laadoc
Liebe Mitglieder des Österreichischen Astronomischen Vereins, liebe Sternfreundinnen und Sternfreunde!

Im Februar gab es neben zwei interessanten Vorträgen und einer Sternführung auch einige Neuheiten:
• Bei der Rätselwanderung (12.2.) am Planetenweg eine unglaublich interessierte Kinderschar – und als erster Preis ein 6cm-Linsenfernrohr.
• Zwei weitere Teleskope von Altmitgliedern wurden an junge Sternfreunde weitergegeben.
• Im Globenmuseum der Nationalbibliothek nicht nur Erd- und Himmelsgloben, sondern auch solche von Mond und Planeten.
Unsere nächsten Termine – Anmeldung bitte bei Veranstaltungen:
• Fr 11.3., 19h: Astro¬Basics 2 – Von Babylon bis Galilei. Eine kurze Geschichte der Astronomie; mit Doris Vickers
• Sa 12.3., 18h: Beobachtungsabend in Tullnerbach für Mitglieder mit und ohne Fernrohr: Sternhaufen und Nebel im Wintersechseck; mit Gottfried Gerstbach und Christopher Kreminger
• Sa 19.3., 11:30, Sterngarten: Wir heißen den Frühling willkommen – astronomisch und musikalisch. Sonnenbahn, Tag- und Nachtgleiche, Ekliptikscheibe, Musik von Vivaldi; mit Franz Vrabec und Bernhard Dewath
• Fr 25.3., 19h: Astro¬Basics – Astrophysik für Einsteiger. Vortrag mit Christian Maurer (FH Krems)
• Sa 26.3., 18:45: Sterngarten für Familien: Vom Erleben der Dämmerung bis zu den ersten Sternen; mit Gottfried Gerstbach, Jürgen Schwingshandl und Franz Vrabec
• Sa 2.4., 12:30: Bus-Exkursion zur NÖ Volkssternwarte Michelbach und zum Elsbeer-Land. Die Sternwarte wurde in den letzten Jahren deutlich erweitert. Abends bei Schönwetter Beobachtungen möglich. Anmeldung bis 25.3., Abfahrt bei Parkspur bei U4 Hütteldorf. Fahrt- und Führungskosten ca. 35 €, für Beobachter extra Bahnkarte Böheimkirchen-Wien.

Monatliches Astro-ABC

Jahr: Die Zeitdauer eines Umlaufs der Erde um die Sonne. Je nach Bezugspunkt:
• Tropisches Jahr 365,2422 Tage bezüglich des mittleren Frühlingspunktes
• Siderisches Jahr 365,2564 Tage in Bezug auf den Fixsternhimmel (Unterschied 10,4 min wegen der Präzession)
• Anomalistisches Jahr 365,2596 Tage bezüglich Perihel (sonnennächster Punkt der Erdbahn)
• Im Kalenderwesen: Julianisches Jahr 365,25 Tage, Gregorianisches Jahr 365,2425 Tage (Jahrhundert-Schaltregel)

Jahreszeiten: die 4 Zeiträume zwischen den Äquinoktien (Tag-und-Nacht-Gleiche, 20.3. bzw. 22./23.9.) und der Sommer- bzw. Winter-Sonnenwende (meist 21.6. und 21.12.)
Die Jahreszeiten entstehen durch die Schiefe der Ekliptik von 23,44° zwischen Erdbahn- und Äquatorebene: Im Sommerhalbjahr der Nordhalbkugel scheint die Sonne flach auf den Nordpol, im Winterhalbjahr herrscht dort Polarnacht. Wegen der elliptischen Erdbahn (0,17%) dauert der astronomische Sommer 93,6 Tage, der Winter nur 89,0 Tage (im Süden umgekehrt).

Jupiter: der größte der 8 Planeten des Sonnensystems. Aquatordurchmesser 143.000 km (11x Erde), Polachse 6,3% kürzer (Abplattung) wegen rascher Rotation von 9:50 bis 9:56 Stunden. Umlaufzeit 11,86 Jahre, mittlerer Bahnradius 5,2 AE (Erde = 1).
Jupiter ist ein Gasplanet (wie Saturn, Uranus und Neptun), in den oberen Schichten überwiegend aus Wasserstoff (90%) und Helium (knapp 10%). Weitere Gase wie Methan, Ammoniak und Schwefelverbindungen verursachen die Farben der äquatorparallelen Wolkenstreifen. In größerer Tiefe wird das Gas wegen steigenden Drucks flüssig bzw. metallisch, das innerste Fünftel des Planetenradius dürfte ein Gesteinskern sein. Die Temperatur steigt von -160°C auf etwa 20.000° im Zentrum.

Jupiter wiegt mit 318 Erdmassen 2,5x mehr als die anderen 7 Planeten zusammen und hat daher großen Einfluss auf die Bahnen der Kleinplaneten und Kometen. Seine mittlere Dichte von 1,33 g/cm3 entspricht fast jener der Sonne. Zehn der fast 80 Monde sind größer als 50 km, die 4 größten (3.600 bis 5.200 km) hat Galilei 1610 entdeckt. Der Planet erscheint je nach Erdentfernung als Scheibchen von 32 bis 48“ (1 bis 1,5% vom Mond).


Astronomische Übersicht

Von den 5 hellen Planeten sind im März nur Venus und Mars zu sehen, beide am Morgenhimmel. Der astronomische Frühlingsbeginn ist – wie seit einigen Jahren immer – am 20. März.

Der abendliche Sternhimmel funkelt von Süd bis Südwest noch ordentlich, denn das Wintersechseck rund um den Himmelsjäger Orion ist berühmt für seine hellen Sterne. Links unter Orion flackert mit Sirius der hellste Fixstern des Himmels. Rechts über Orion steht der Stier mit dem roten Riesen Aldebaran und den hellen Sternhaufen Hyaden und Plejaden. Darüber der Fuhrmann mit der gelblichen Capella und links die Zwillinge Castor & Pollux. Im Südosten steigt der Löwe empor und links darüber erreicht der Große Wagen bald den Zenit.


Sonnenbahn und Dämmerung
Im März wächst der helle Tag besonders deutlich: von 11,0 auf 12,8 Stunden. Der Sonnenaufgang in Wien verschiebt sich von 6:36 auf 5:35 MEZ, der Sonnenuntergang von 17:39 auf 18:23 Uhr. Im Westen Österreichs sind die Auf- und Untergänge je nach geografischer Länge später, in Innsbruck z.B. um 20 Minuten.
Völlig dunkel ist es um etwa 19:30 Uhr, gegen Monatsende um 21h (MESZ); die tiefe Nacht währt nur mehr 9 Stunden. Die bürgerliche Dämmerung (Sonnentiefe 6°, Lesen im Freien möglich) dauert wegen der nun steil liegenden Ekliptik nur 29 Minuten, die nautische (-12°, am Meer sind Horizont und helle Sterne sichtbar) weitere 36 Minuten. In der anschließenden astronomischen Dämmerung (Sonne -12 bis -18°) wird der Himmel völlig dunkel -- allerdings nur fern der städtischen Lichtglocken.
Nicht nur die Länge von Tag und Nacht hängt von der Jahreszeit ab, sondern auch wie lange Sonnenuntergang und die Dämmerung dauern (siehe Sterngarten-Führung am 20.März). Weil sich diese und andere Phänomene imStrengarten gut demonstrieren lassen, nannte Hermann Mucke die 1998 errichtete Anlage auch "Freiluftplanetarium".
Im Februar hatten wir uns auf freiäugiges Beobachten konzentriert. Angesichts der wärmeren Märznächte behandelt dieser Newsletter nun auch einige teleskopische Himmelsobjekte.


Der Abendhimmel im März

Wenn es zur Monatsmitte um 19 Uhr dunkel genug ist, sehen wir das große Wintersechseck rund um Orion im Süden: Der strahlende Sirius etwa 25° hoch, während Capella schon den Zenit passiert hat. Hoch im Westen steht der Perseus, während das Herbstviereck (Pegasus/Andromeda) bereits untergeht. Im Nordwesten sehen wir das Himmels-W der Cassiopeia, im Nordosten steigt der große Wagen empor.
Die Titelseite der Homepage https://www.astroverein.at zeigt den Himmel wahlweise mit oder ohne Sternbilder.
Hier zum Anklicken die Sternkarten für 7 Uhr und 8 Uhr Sternzeit.

Zu dieser Dämmerstunde stehen 10 der 20 hellsten Sterne über dem Horizont, dominiert von den acht beim Wintersechseck. Mitten durch dieses zieht das schwach leuchtende Band der Milchstraße von Nordwesten (Cepheus, Cassiopeia) über den Zenit (Fuhrmann), die Zwillinge und die beiden Hunde des Jägers Orion nach Südsüdosten. Stadtbewohner sehen die Galaxis fast nie, aber nur 10 km westlich von Wien – auf unserem dunklen Beobachtungsplatz am Friedhofshügel über Tullnerbach – lässt sich das nachholen, z.B. beim Beobachtungsabend am 12. März.

In der Milchstraße findet man zahlreiche Offene Sternhaufen, den früheren Geburtsstätten der Sterne. Bereits freiäugig sieht man im Stier, halbhoch im Südwesten, die 5-6 dicht gedrängten Sterne der Plejaden, und 10° links beim roten Riesen Aldebaran den lockeren Sternhaufen der Hyaden. Sein liegendes, großes V ist der Kopf des Himmels-Stiers, dessen lange Hörner dem Orion drohen. Noch bis Anfang April ist unter dem Oriongürtel der diffuse Fleck des Orionnebels M42 zu beobachten, ein riesiges Sternentstehungsgebiet 1600 Lichtjahre entfernt. Im Feldstecher sind rötliche Farben zu erahnen, die auf Langzeitaufnahmen als leuchtende Wasserstoffwolken hervortreten. Wenn man sich am Teleskop einige Minuten Zeit nimmt, tauchen in manchen der Gas-Filamente auch grünliche Farbtöne auf, die ionisieren Sauerstoff anzeigen. Probieren Sie einmal, eine Skizze zu machen! Im Anhang sehen Sie meine vom Februar 2017.

Orions linke Schulter ist der rote Riese Beteigeuze. Er wird in 1000 bis 100.000 Jahren als Supernova explodieren und dann heller als der Vollmond leuchten. Ohne die zeitweilige Staubhülle hat er (wie Rigel, Orions rechter Fuß) etwa 50.000-fache Sonnenleuchtkraft und ist 600-800 Lichtjahre entfernt. Zwischen den beiden Riesen zeigen die drei Gürtelsterne nach links zum Sirius, dem hellsten Stern am Himmel. Sein schwacher Begleiter Sirius B (8.5 mag) wurde als erster Weißer Zwerg 1862 entdeckt und hat 50 Jahre Umlaufzeit. In einem Teleskop ab 8 Zoll kann man ihn 11" östlich von Sirius erahnen, wenn man dessen Licht abdeckt, z.B. mit einem schwarzen Papiereckerl im Fadenkreuz-Okular.
Reizvolle Sternhaufen:
Wer einen lichtstarken Feldstecher hat, soll hoch im Süden (zwischen Fuhrmann und den Zwillingen) die Reihe der vier Sternhaufen M35 bis M38 ansehen. Im Fernrohr zeigt jeder der Vier seine ganz eigene Anordnung der 50 bis 200 Sterne: strahlend oder zart schimmernd, in Kreuzform bzw. wie ein langbeiniger Käfer. Bereits freiäugig ist der Doppelsternhaufen h/Chi Persei als Nebelfleck zwischen Kassiopeia und Perseus zu erkennen, im Achtzöller zeigt er fast 100 Sterne.
Auf ein ungewöhnliches Objekt unweit von M36 hat Sterne und Weltraum im Vorjahr aufmerksam gemacht: den Sternhaufen NGC 1893, eingebettet in den hellen Gasnebel IC 410, der im Fernrohr zuerst durch eine zentrale Dunkelwolke auffällt. Das interessante Tripel steht hoch am Himmel zwischen Capella und β Tauri.

Um 21:30 Uhr kulminiert der unscheinbare Krebs und mittendrin der helle Sternhaufen M44, die Krippe. Zwei Sternchen daneben heißen nördlicher und südlicher Esel. Im Zentrum des nahen, 1.5° großen Sternhaufens zeigt schon ein kleines Teleskop das funkelnde Schmuckkästchen mit 4-5 engen Doppelsternen. Zwölf Grad tiefer bilden 6 Sterne den Kopf der Hydra, die sich von Südosten herauf schlängelt. Im Osten kommt der orangefarbene Arktur im Bärenhüter empor, einer unserer nächsten Sterne; er liegt im verlängerten Deichselschwung des Großen Wagens. Denkt man sich diesen Kreis verlängert, kommt man zur Spica, die mit 22.000° einer der heißesten Sterne auf unsrer Seite der Galaxis ist. Mit Arktur gehört sie zum Frühlingsdreieck, das wir im April behandeln werden. Hier die Karte für 10 Uhr Sternzeit.

Gegen 2 Uhr kommt im Osten das große Sommerdreieck hoch, darin die Deep-sky-Paradeobjekte des Hantel- und Ringnebels und zwei Sternhaufen im Schwan.

Sichtbarkeit der großen Planeten
• Merkur kreist nun jenseits der Sonne und daher unsichtbar.
• Venus ist Morgenstern, steht aber wegen der flach liegenden Ekliptik nicht hoch. Am 20.3. erreicht sie 46,6° Elongation und geht knapp 2 Stunden vor der Sonne auf. In den ersten Märztagen steht sie zu Beginn der bürgerlichen Dämmerung immerhin 12° hoch.
• Mars ist nahe der Venus, bleibt aber mit 1 mag unauffällig.
• Jupiter hat am 5.3. Konjunktion mit der Sonne und ist erst ab Mai zu beobachten.
• Saturn taucht zu Monatsende am Morgenhimmel auf. Am 29.3. wandert Venus 2° nördlich an ihm vorbei.
• Uranus im Widder kann abends bis etwa 21h mit dem Fernglas gefunden werden. Im Teleskop erscheint er als grünliches 3“-Scheibchen.
• Neptun jenseits der Sonne ist unsichtbar.
Mondphasen:
Neumond (Nr.1227) Mi 2.3., Erstes Viertel Do 12.3., Vollmond Fr. 18.3., Letztes Viertel Fr 25.3., Neumond Fr 1.4.
Neulicht (erste abendliche Mondsichel) am 4.3., bestes Erdlicht (Widerschein der "Vollerde" am Mond) am 5.3.

Konjunktionen (in MEZ):
• 01.3., 01h: Mond 4° südlich von Saturn (sonnennah) und Merkur
• 05.3., 15h: Jupiter in Konjunktion zur Sonne
• 07.3., 07h: Mond 1° südlich von Uranus
• 12.3., 15h: Venus 4° nördlich von Mars
• 20.3., 10h: Venus in größter westlicher Elongation (47°)
• 20.3., 16:33 Sonne im Frühlingspunkt, Tag-und-Nacht-Gleiche
• 27.3., 05h: Venus–Mars–Mond in einer Linie, knapp über Osthorizont
• 28.3., 04h: Mondsichel 4° südlich von Mars; um 5h Abstand 5°
• 28.3., 11h: Mondsichel 6,5° südlich von Venus
• 29.3., 14h: Venus 2° nördlich von Saturn; um 5h Abstand 2,1°
Kleinplaneten bis 10 mag:
1 Ceres (8.8 mag) im Stier, 7 Iris (9.5 mag) in Zwillingen, 10 Hygiea (10.0 mag) in derWaage im Löwen, 1° nordöstlich von Theta Leonis
Nähere Daten siehe Minor Planet Center

Enge Begegnungen mit Sternen (aus Sterne und Weltraum 2022/3):
• 07.3., 00h: 1 Ceres (8.8 mag) 6' westlich von Hip.19672 (6.4 mag, 4h12.9 / +22°25’)
• 08.3., 21h: 7 Iris (9.4 mag) nur 2’ nordöstlich von 51 Gem (5.0 mag, 7h13.4 / +16°10’)
Kometen:
• 19P Borrelly abends, 9–> 11 mag vom Widder zum Perseus
• C/2017 K2 Panstarrs morgens, ~10 mag, vom Schlangenträger zum Adler
• C/2019 L3 Atlas abends, ~11 mag in Zwillingen. Um den 30,3, nahe bei Gamma Gemini
• C/2019 U5 Panstarrs 13 mag im Herkules, zu Monatsbeginn nahe Kugelsternhaufen M13
• Näheres zu allen Kometen bei Aerith.net.
Meteorströme: im März nur die Virginiden, schwach.

News aus der astronomischen Forschung und Raumfahrt:
• James-Webb-Teleskop hat sein Ziel erreicht – Wetter.de 26.1.22
• Das Universum, noch warm vom Urknall – Spektrum der Wiss. 2.2.22
• Aktive Galaxienkerne: Theorie an M77 bestätigt – Sp.d.Wiss. 17.2.22

Einführende Literatur:
• Hermann Mucke: Himmelskunde im Freiluftplanetarium Wien. Um 10 € bei Führungen und Referatabenden des Astrovereins
• Sven Melchert: Alles über Astronomie , um 10 € im Kosmos-Verlag 2017
• Sky & Telescope: Astronomy for Beginners bzw. die wichtigsten Grundbegriffe (engl.)
• und fürs Nachdenken 30 unglaubwürdige Fakten zum Weltall: https:// www.youtube.com/watch?v=u2dTM45D83E
Auf rege Inanspruchnahme der Hinweise und auf interessante Kontakte freut sich
Dr. Gottfried Gerstbach
1. Vorsitzender des ÖAV