Gottfried Gerstbachs November Himmelvorschhau

Gottfried Gerstbachs November Himmelvorschhau

Beitragvon Laadoc » Di 2. Nov 2021, 16:31

Liebe Mitglieder des Österreichischen Astronomischen Vereins, liebe Sternfreundinnen und -freunde!

Vielleicht gibt es noch einige dieser letzten, sternklaren Herbst-Abende! Die Riesenplaneten Jupiter und Saturn sind noch mehrere Wochen gut zu sehen. Sie standen im Sterngarten und am 22.10. beim Beobachtungsabend über Tullnerbach am Programm, aber auch Sternbilder und Milchstraße rund ums Sommerdreieck.

November-Termine des Astrovereins:
• Fr 12.11., 19h: Online-Vortrag Expedition Mars - Forschung für bemannte Missionen mit Gernot Grömer (Österr. Weltraum-Forum). Für den Link bitte hier anmelden.
• Sa 13.11., 16:30 Sterngarten: Mondlandschaften, Jupiter und Saturn, mit Peter Reinhard. Anmeldung hier.
• Fr. 26.11., 19h: Online-Vortrag Kepler und die Suche nach der zweiten Erde mit Franz Kerschbaum (Univ.-Sternwarte), Anmeldung hier.

Weitere Informationen:
• Das Interview im Sterngarten mit Gottfried Gerstbach und Maria Pflug-Hofmayr für die Serie "Wald wirkt Wunder" ist hier zu hören
• und das Video des Vortrags "Simon Marius und die kopernikanische Wende" hier auf YouTube.
• Do 11.11., 16–17:30 Kuffner-Sternwarte: Stefan Wallner (Univ. Wien) über Lichtverschmutzung und den ersten österr. Sternenpark Attersee-Traunsee
• Adventkalender der Linzer Kepler-Sternwarte zum 450. Kepler-Geburtstag (Erich Meyer/ M.Oberladstätter) um 15 € bei M.Oberladstaetter@aon.at
o Der Kalender ist auch für die kommenden Jahre nutzbar!
• 10-Zoll-Dobson "GSO Luxus" mit viel Zubehör (Zoom-Okular 4-24mm, Barlowlinse, Sucher 9x50, Telrad usw.) um 900 €: e.tripes@aon.at .

Monatliches Astro-ABC

Farbindex: ein Maß für die Farbe eines Sterns – als Differenz der Helligkeit in zwei verschiedenen Spektralbereichen (Farbfiltern). Meist wird der Index B-V verwendet (Blau minus Visuell, d.h. gelb-grün). Rote bis gelbliche Sterne haben positive Werte (Spektralklasse M ca. +1.5 mag, K +0.9, G +0.5, F +0.3 mag), während heiße, blauweiße Sterne (O, B) ca. –0.3 mag haben und rein weiße (Spektraltyp A) bei Null liegen. Der Farbindex lässt sich relativ einfach messen, auch an schwachen Sternen, deren Licht für eine Spektralanalyse nicht ausreicht. In der Astrophysik wird auch der Index U-B (Ultraviolett minus Blau) verwendet, der weiter in negative Werte geht.

Flächenhelligkeit: wesentlich für die Beobachtung flächenhafter Himmelsobjekte wie Nebel, Galaxien oder Kometen. Während (punktförmige) Sterne durch lichtstarke Teleskope heller erscheinen, kann die Flächenhelligkeit höchstens jene des freien Auges erreichen. Am besten ist die Normalvergrößerung, bei der die Austrittspupille (Lichtstrahl aus dem Okular) genau der Augenpupille (im Dunkeln 6-7 mm) entspricht. Beim Feldstecher 7x50 (7-fach) ist dies annähernd der Fall, bei einem Teleskop mit 200 mm Öffnung bei etwa 40-fach. Darüber wird das Objekt zwar größer, aber undeutlicher.
In Galaxien- und Nebelkatalogen wird manchmal die Flächenhelligkeit in Größenklasse (mag) pro Quadratbogensekunde (sec2) angegeben. Damit ein Objekt sichtbar ist, muss sie über der des Himmelshintergrundes liegen (dunkler Landhimmel ca. 22 mag/sec2, am Stadtrand 18-19 mag/sec2. Siehe auch Lichtverschmutzung und Sky-Quality-Messung SQM.

Frühlingspunkt: der "Nullmeridian" der Astronomie, von dem aus die Koordinate Rektaszension (RA) gezählt wird. Er ist jener Punkt auf der Himmelskugel, wo die Ekliptik (scheinbare Sonnenbahn, siehe Okt.-Newsletter) den Himmelsäquator nordwärts schneidet. Die Sonne durchläuft den Frühlingspunkt, der jetzt im Sternbild Fische liegt, am 20. oder 21. März.
Er verschiebt sich jedoch infolge der Präzession (Störkraft von Mond und Sonne) jährlich um etwa 50" (um 360° in 25.800 Jahren). In der Antike lag er im Sternbild Widder und wird deshalb manchmal Widderpunkt genannt (Zeichen ♈).

Astronomische Übersicht

Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang findet man Venus tief im Südwesten. Etwas später tauchen am südlichen Abendhimmel die Riesenplaneten Jupiter und Saturn auf. Zur Monatsmitte kulminiert Saturn um etwa 17h MEZ, Jupiter 55 Minuten später. Der Mond wandert am 10. bzw. 11. November an ihnen vorbei.

Im Westen sinkt allmählich das Sommerdreieck (Alfa von Leier, Schwan und Adler) herab, während sich die Sternbilder der Milchstraße quer über den ganzen Himmel bis zu den ersten Wintersternbildern im Osten ziehen. Im Meridian stehen Kassiopeia, Herbstviereck (Pegasus) und der Wassermann, etwas später Andromeda. Um 20h steigen im Osten Stier und Plejaden empor, und um 21h zeigt uns der Oriongürtel seinen senkrechten Aufgang (im Untergang steht er ja parallel zum Horizont).

Sonnenbahn und Dämmerung

Im November verkürzt sich der helle Tag von 10 auf 8,7 Stunden. Der Sonnenaufgang in Wien ändert sich von 6:40 auf 7:23 Uhr, der Sonnenuntergang von 16:35 auf 16:03 MEZ. Die Auf- und Untergänge sind im Westen Österreichs je nach geografischer Länge später, in Innsbruck z.B. um 20 Minuten.

Anfangs ist es bereits gegen 18h völlig dunkel, zu Monatsende währt die tiefe Nacht schon 12 Stunden. Die bürgerliche Dämmerung (Sonnentiefe 6°, Lesen im Freien möglich) dauert etwa 33 Minuten, die nautische (-12°, am Meer sind Horizont und helle Sterne sichtbar) weitere 38 Minuten. In der anschließenden astronomischen Dämmerung (Sonne -12 bis -18°) wird der Himmel in Stadtnähe aber kaum mehr dunkler.

Der Abendhimmel im November

Wenn es zur Monatsmitte um 17:30 MEZ dunkel genug ist, zeigt im Nordwesten die Deichsel des Großen Wagens nach links zum orangefarbigen Arktur (α Bärenhüter) in 5-10° Höhe. Links oberhalb von Arktur finden wir den mit dem Edelstein Gemma verzierten Halbkreis der Krone und darüber den unscheinbaren Herkules, zu dem die Augen des Drachen herab glühen. Das Sommerdreieck Leier-Schwan-Adler hat sich schon Richtung Südwesten geneigt. Im Südosten steigt die Fünfsternreihe mit den oberen Sternen des Pegasus-Quadrats, der Andromeda und dem Perseus empor. Während der Große Wagen nun tief im Norden steht, nähert sich das W der Kassiopeia – der winterliche Polweiser – dem Zenit. Für einen Überblick können Sie hier den Herbsthimmel anklicken, oder auf unserer Homepage 23 Uhr Sternzeit.

Zwei Stunden später kulminiert das mythologische Himmelspferd Pegasus – allerdings segelt es verkehrt über den Himmel. Sein Leib ist das große Quadrat, Hals und Kopf verlaufen von den zwei tieferen Sternen nach rechts. Dort könnten seine Hufe wegen des "himmlischen Feuchtbiotops" (Wassermann, Fische, Cetus) ohnehin nicht aufsetzen. Darunter leuchtet Fomalhaut (α im Südlichen Fisch) – ein weißer Riesenstern mit zwei Begleitern, einer Staubscheibe und dem 2008 entdeckten Exoplaneten Dagon.

Die Milchstraße sieht man in Stadtnähe wegen der immer noch zunehmenden Lichtverschmutzung leider kaum mehr. Für sie ist eine Grenzhelligkeit von mindestens 4 mag erforderlich, was z.B. beim Sterngarten im Südwesten Wiens und im Umfeld anderer Städte der Fall ist. Mit der Vermeidung unnötiger Lichtflut hat sich in Salzburg vor 2 Jahren Österreichs Amateurtagung ÖTA'19 beschäftigt.
Der Schütze (galaktisches Zentrum) ist zwar schon untergegangen, die Schildwolke darüber ist aber noch bis 19h sichtbar. In jedem Fall kann man von dort aus mit einem Feldstecher der Sternenfülle nachgehen – über den Adler und Schwan bis zur zenitnahen Kassiopeia und dem Perseus im Nordosten. Dort ist auch der junge Doppelsternhaufen h/Chi Persei zu finden.

Um 22 Uhr kommen im Osten Orion und Zwillinge empor, darüber Stier und Fuhrmann. Gegen Mitternacht wird mit Sirius der letzte Stern des großen Wintersechsecks sichtbar. Man findet ihn in der Verlängerung des Oriongürtels nach links unten.

Sichtbarkeit der großen Planeten
• Merkur ist morgens bis etwa 7. November im Ostsüdosten zu erspähen, eine knappe Stunde vor Sonnenaufgang. Da hat er noch einen Sonnenabstand von 15° und die Ekliptik geht steil auf. Tagsüber im Fernrohr zeigt er ein leuchtendes Scheibchen von 6" Durchmesser.
• Venus ist abends tief im Südwesten sichtbar und geht nun gute 2 Stunden nach der Sonne unter. Ihre Elongation ist zwar mit 47° bis 42° fast maximal, doch steht steht die Ekliptik sehr flach. Am 8.11. zieht die Mondsichel an Venus vorbei.
• Mars stand im Oktober jenseits der Sonne und ist weiterhin unsichtbar
• Jupiter (wieder rechtläufig im Steinbock) kulminiert nun schon gegen 18 Uhr in 27° Höhe. Er ist daher noch einige Stunden danach gut beobachtbar. Die Untergänge verschieben sich von etwa 23:40 auf 22:10 MEZ. Am 11.11. wandert der Halbmond 4° südlich am Gasriesen vorbei. Im Teleskop sieht man auf der 40" großen Planetenscheibe die äquatorparallelen Wolkenstreifen und bisweilen den großen Roten Fleck.
o Die 4 hellen Jupitermonde (Daten im AAÖ S. 54-58) zeigen weiterhin ihren Tanz und Lichtspiele: Schattendurchgänge von Mond 1 am 7., 14., 23. und 30.11., Mond 2 am 1., 19. und 26.11., Mond 3 am 9. und 16.11. (die 3 unterstrichenen sind durch alle 2-3 Stunden zu beobachten).
o Das Auftauchen von Monden aus dem Schatten Jupiters gibt es am 3. um 18:46 (Mond 2) zu sehen, am 8. um 17:56 (1), am 10. um 21:24 (2), am 15. um 19:52 (1) und 20:58 (4), am 22. um 21:47 (1) und am 27. um 17:37 (3). Das Hellerwerden dauert jeweils einige Minuten, je nach Größe und Umlaufzeit des Mondes.
• Saturn im Steinbock kulminiert 1,1 Stunden vor Jupiter. aber nur 22° hoch. Seit der Großen Konjunktion im Dez. 2020 ist die Distanz zu ihm auf 16° angewachsen. Sein Abstand von der Sonne sinkt von 88 auf 60°. Daher sieht man nun östlich des Planeten ab etwa 150-facher Vergrößerung seinen Schatten auf den Ringen.
o Saturns größter Mond Titan (8. Größe) steht am 2. und 18.11. in westlicher Elongation, am 10. und 26. am weitesten östlich.
o Näher am Planeten sind weitere 3-4 Monde (10 bis 11 mag) im Teleskop erkennbar.
• Uranus im Widder erreicht am 5.11. seine Opposition zur Sonne. Mit 5.7 mag ist er im Feldstecher 11° südöstlich von Hamal (2 mag) leicht zu finden. Im Teleskop fällt das 3,7" große Scheibchen durch seine grünliche Farbe auf. Auf der einförmigen Wolkenhülle sehen aber auch die Weltraumteleskope keine Details.
• Neptun im Wassermann ist bis etwa 24h zu beobachten. Sein bläuliches Scheibchen misst 2,5" und lässt sich schon ab 80x von Sternen unterscheiden.
Mondphasen:
Neumond Do 4.11., Erstes Viertel Do 11.11., Vollmond Fr 19.11., Letztes Viertel Sa 27.11.
Am 19.11. ist in Nordamerika um 10h MEZ eine fast totale Mondfinsternis zu sehen (98 %). Weil aber in Wien der Mond schon um 7:03 Uhr untergeht (Sonnenaufgang um 7:08), wäre allenfalls in Westeuropa ein bißchen Abdunklung an seinem Nordostrand zu bemerken.

Konjunktionen:
* 03.11., 20h: Mond 1° nördlich von Merkur. Bei 16° Sonnenabstand allenfalls gegen 6h zu sehen (schmale Mondsichel ca. 8° rechts oberhalb Merkurs)
* 05.11., 01h: Uranus in Opposition zur Sonne
* 08.11., 06h: Mond 1° nördlich von Venus; um 17h (tief im Südosten) Abstand 6°
* 10.11., 15h: Mond 4° südlich von Saturn. Abends als Fotomotiv – mit Jupiter 10° links
* 11.11., 18h: Mond 4,4° südlich von Jupiter; um 22h Abstand 5°
* 13.11., 20h: Mond 4° südlich von Neptun
* 18.11., 03h: Mond 1,5° südlich von Uranus; um 5h Abstand 2°
* 19.11., 10h: partielle Mondfinsternis über Atlantik und Nordamerika
* 29.11., 06h: Merkur in oberer Konjunktion (jenseits der Sonne).

Sternbedeckungen durch den Mond:
Keine Sterne heuer als 6 mag. Näheres siehe österr. Almanach AAÖ Seite 66 bzw 71.

Kleinplaneten
1 Ceres = 7.5 mag im Stier, wandert durch den lockeren Sternhaufen der Hyaden. Am 3.11. nur 7' südlich von Aldebaran!
2 Pallas = 9.4 mag im Wassermann) , 7 Iris = 9.1 bis 8.5 mag im Krebs , 44 Nysa = 9.5 mag im Stier.

Enge Begegnungen mit hellen Sternen (SuW p.58) –> rasche Bewegungen zu beobachten!
• 03.11., 04h 1 Ceres (7.7 mag) 7' südlich von Aldebaran (0.9 mag)
• 03.11., 20h 7 Iris (9.1 mag) 7' südlich von 86 Gem (5.3 mag)
• 06.11., 19h 1 Ceres (7.6 ag) 7' nördlich von Hip.21257 (6.6.mag)
• 12.11., 21h 1 Ceres (7.5. mag) 9' nördlich von 75 Tau (5.0 mag)
• 17.11., 24h 20 Massalia (10.5 mag) 5' nördlich von Pi Cnc (5.3 mag)
• 27.11., 22h 44 Nysa (9.5 mag) 5' nördlich von 111 Tau (5.0 mag)
Kometen:
• 4P/ Faye: 11 mag, langsam von Xi Gem zum Einhorn
• 67P/ Tschurjumow-Gerasimenko: 9 mag, morgens Krebs –> Zwillinge. Am 12./13.11. zwischen den Galaxien NGC 2492 (13 mag) und IC 486
• 104P/ Kowal (Jupiterfamilie): 11 mag, Steinbock –> Wassermann. Weitere Daten zu den Kometen hier.
Meteorströme:
* Leoniden: 13. bis 30.11., spitzes Maximum 8.10., stündlich ca. 10 sehr rasche Meteore
* Tauriden: schwache Maxima am 4.11. (Südzweig) bzw. 11.11. (Nordzweig), ca. 5-10 Meteore.

Besuchenswerte Sternwarten und Astrovereine in Wien & NÖ:
• Kuffner-Sternwarte (1160 Wien): http://kuffner-sternwarte.at/index.php (veranstaltet auch Beobachtungen im Lichtschutzgebiet Großmugl)
• Urania-Sternwarte und Planetarium: https://www.vhs.at/de/e/planetarium
• WAA (Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie): https://www.waa.at
• Antares (St. Pölten) und Sternwarte Michelbach: http://www.noe- sternwarte.at/
• Astrostation Hochbärneck (ehem. Arbeitskreis Amstetten): http://www.astrostation.at
• Leiserberge-Sternwarte: http://www.leiserbergesternwarte.at
• Leitzersdorf, Astronom. Gesellschaft: http://agl.or.at
• Martinsberg, Sternwarte Orion: http://www.sternwarte.wvnet.at
• Waldviertler Astr. Gesellschaft: http://www.sternwarte-hoehenberg.at
• Sauerbrunn, Burgenländische Amateurastronomen: https://www.alrukaba.at
• Naturhistorisches Museum, Meteorsammlung (Saal 5) und Meteorradar
Mit fröhlich-astronomischen Grüßen,
Dr. Gottfried Gerstbach
Vorsitzender des ÖAV
Laadoc
 
Beiträge: 213
Registriert: So 2. Nov 2014, 13:53

Zurück zu Himmel aktuell

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron